Archiv für die Kategorie «The Work in Ruanda»

Was The Work in Ruanda bewegen kann

07. Juli 2011, Christina Syndikus

Nyirabarera: “Mein Ehemann wurde von seinen Verwandten getötet”

13. Dezember 2009, Christina Syndikus

Nyirabarera erzählt uns sie sei Witwe, und zwei ihrer Kinder seien im Kongo auf dem Weg ins Exil getötet worden. Ihr Ehemann sei von seinen Geschwistern verhext worden, nachdem sie über das Eigentum von Land gestritten hatten. Darauf hätten sie ihn durch vergiftetes Essen getötet. Sie habe ihn vor dem Essen gewarnt, er habe jedoch nicht auf sie gehört und es trotzdem gegessen. Danach sei er ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo allerdings keine Behandlung stattfand. Die folgende Woche verbrachte er zu Hause, dann sei er gestorben.

Wir sitzen in Nyirabareras kleiner Lehmhütte, sie ist sehr spartanisch ausgestattet. Drei kleine Holzbänke, ein Holzhocker, am Boden eine Bastmatte. An der Wand lehnt eine Holztür samt Rahmen. Mir gegenüber ist das einzige Fenster des Raumes, es hat keine Glasscheibe. Durch das Fenster kann ich den Hügel gegenüber mit Sträuchern, Bäumen und Bananenstauden sehen. Die Sonne scheint, dennoch wirkt der Raum sehr düster. Außer dem kleinen Fenster gibt es nur noch eine weitere Lichtquelle: die offene Tür um die Ecke.

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Jean: “Wenn sie auch sterben würden, wäre ich glücklich”

22. November 2009, Christina Syndikus

Jean sitzt mir mit ernstem Gesicht gegenüber, er wirkt entschlossen. Er sagt, er würde gerne an den Menschen Rache üben, die im Genozid seine Familie dezimiert hatten. Er glaube erst dann glücklich sein und innere Ruhe finden zu können, wenn er sich gerächt habe und die damaligen Täter tot seien. Er habe in den letzten Jahren oft und viel darüber nachgedacht, letztlich aber nichts unternommen.

Wir arbeiten an der Überzeugung “Wenn sie auch sterben würden, wäre ich glücklich”. Meine erste Frage, ob das wahr sei, beantwortet er mit “ja”. Auf meine zweite Frage bekomme ich lange keine Antwort. Schließlich sagt er, er könne nicht mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr sei. Seine Entschlossenheit ist gewichen, nun wirkt er verlegen. Er legt seinen Kopf schief und sieht mich unsicher an, dabei lächelt er ein wenig.

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Ein Besuch der Genozid Gedenkstätte in Ntarama

17. November 2009, Christina Syndikus

Mit einem der hier üblichen voll besetzten, nach europäischem Standard überfüllten Kleinbusse fahren wir nach Ntarama. Als wir an der Hauptstraße aussteigen, hören wir sofort die inzwischen fast vertrauten Rufe “Muzungu!” (“Weißer”). Eine Gruppe Halbwüchsiger auf aufgestylten Fahrrädern gruppiert sich um uns und begleitet uns ein Stück den ungeteerten, mit terrakottafarbenem Kies bedeckten Weg Richtung Gedenkstätte. Nach einer Weile lassen sie uns alleine weitergehen.

Die Gegend wirkt sehr ruhig und friedlich, doch der Eindruck täuscht. In dieser Gegend gibt es sehr viele Menschen, die den Genozid überlebt haben und heute noch schwer traumatisiert sind. Viele ihrer Familienmitglieder sind in der Kirche von Ntarama ums Leben gekommen. Die Kirche ist heute eine Gedenkstätte des Genozid.

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